Derzeit ist das Wetterphänomen El Niño in Lateinamerika sehr aktiv, auch in Costa Rica. Auch in der Presse wird davon berichtet. Es häufen sich deshalb bei uns die Fragen, ob für die kommende Saison 2026/2027 Costa Rica schwieriger zu bereisen ist oder sich die üblichen Empfehlungen in Sachen Reisezeit durch El Niño ändern.
Die gute Nachricht vorweg: Nach den derzeitigen Vorhersagen gibt es derzeit keinen Grund, eine Costa-Rica-Reise wegen El Niño grundsätzlich zu verschieben.
Wer vorhat, nach Costa Rica zu reisen, wird das Wetterphänomen sehr wahrscheinlich trotzdem spüren. So ist etwa an der Pazifikseite für die kommenden Monate deutlich weniger Regen und mehr Wärme vorhergesagt. Entlang der Karibikküste sieht die Entwicklung anders aus.
In diesem Artikel erklären wir Ihnen, welche konkreten Auswirkungen Meteorologen durch El Niño in den verschiedenen Regionen Costa Ricas derzeit erwarten.
Inhalt
ToggleWie ist die aktuelle El Niño-Lage in Costa Rica?
Das El Niño ist bereits sehr aktiv und verstärkt sich derzeit.
Der costa-ricanische Wetterdienst Instituto Meteorológico Nacional (IMN) geht davon aus, dass sich das Wetterphänomen bis Ende 2026 weiter verstärkt. Wie lange El Niño 2027 noch anhält und wie stark Costa Rica dann betroffen sein wird, lässt sich heute noch nicht zuverlässig sagen.
So sehen die aktuellen Prognosen aus:
Für August bis Oktober 2026 erwarten die Meteorologen vor Ort folgende Auswirkungen:
Im Nordpazifik könnten rund 60 Prozent weniger Niederschlag fallen als üblich, am Zentral- und Südpazifik etwa 40 Prozent weniger. Gleichzeitig werden dort im Durchschnitt etwa 1 bis 2 Grad höhere Temperaturen erwartet.
Auf der Karibikseite ist das Bild fast umgekehrt. Hier rechnet das IMN für denselben Zeitraum mit etwa 10 bis 15 Prozent mehr Niederschlag.
Für Reisende heißt das zunächst: Die Regenzeit 2026, die noch bis Ende November dauern wird, könnte an großen Teilen der Pazifikküste trockener verlaufen als gewöhnlich. An der Karibikküste könnte dagegen gerade die in Sachen Wetter normalerweise regenärmeren Monate September und Oktober etwas weniger trocken ausfallen.
Was ist El Niño eigentlich?
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im tropischen Pazifik. Das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen Pazifik erwärmt sich ungewöhnlich stark. Diese zusätzliche Wärme verändert großräumige Luftströmungen – und damit auch, wohin feuchte Luft gelangt und wo Regen fällt. Die Folgen können völlig unterschiedlich sein: Während eine Region trockener wird als üblich, kann es anderswo mehr regnen.
Seinen Namen verdankt El Niño Fischern an der Westküste Südamerikas. Sie bemerkten in manchen Jahren rund um Weihnachten eine ungewöhnliche Erwärmung des Meeres. Gleichzeitig wurden Fische seltener und die Netze blieben öfter leer. Sie nannten das Phänomen „El Niño“ – „der Junge“ oder „das Kind“ – in Anspielung auf das Jesuskind.
Pazifikküste: Was ändert sich für Ihre Reise?
An der Pazifikseite gibt es eine recht klare Trennung zwischen Regen- und Trockenzeit. Die Regenzeit dauert grob von Mai bis November, die Trockenzeit von Dezember bis April. Guanacaste im Nordwesten ist dabei wesentlich trockener als der Zentral- und vor allem der Südpazifik.
Für August bis Oktober 2026 erwartet das IMN im Nordpazifik etwa 60 Prozent weniger Regen, am Zentral- und Südpazifik rund 40 Prozent weniger als üblich.
Was bedeutet das konkret? Es bedeutet nicht zwangsläufig, dass es an 40 oder 60 Prozent weniger Tagen regnet. Die Zahlen beziehen sich erstmal auf die gesamte Niederschlagsmenge.
Trotzdem ist es derzeit wahrscheinlich, dass es während der Regenzeit bis November längere trockene Abschnitte geben kann, an denen es weniger oder auch mal nicht regnet.
Kräftige Schauer oder auch mehrere regnerische Tage hintereinander sind trotzdem weiterhin möglich.
Guanacaste und Nordpazifik
Guanacaste empfehlen wir unseren Kunden schon seit Jahren auch für viele Reisen auch während der Regenzeit. Denn die Region ist wesentlich trockener als andere Teile der Pazifikküste. Auch in der Regenzeit sind die Niederschlagsmengen deutlich geringer, als an der südlichen Pazifikküste.
Durch El Niño könnten 2026 die Bedingungen noch etwas günstiger sein. Wer im September oder Oktober nach Guanacaste reist, hat eine höhere Chance auf längere trockene und sonnige Phasen. Regen gehört trotzdem dazu – häufig als kräftiger Schauer am Nachmittag oder Abend.
Nicoya und Zentralpazifik
Auch für Nicoya und die Zentralpazifikküste rund um Manuel Antonio werden deutlich geringere Regenmengen erwartet. Hier könnte sich El Niño für Reisende besonders bemerkbar machen.
Wer während der Regenzeit reist, hat 2026 vermutlich bessere Chancen auf trockene Stunden für Strand, Wanderungen oder Ausflüge als in einem durchschnittlichen Jahr.
Aber auch hier gilt: Eine Prognose mit einer weniger niederschlagsreichen Regenzeit ist keine Schönwettergarantie. Eine ungünstige Wetterlage kann weiterhin zwei oder drei sehr nasse Tage bringen.
Südpazifik, Uvita und Corcovado
Die südliche Pazifikküste gehört während der Regenzeit zu den regenreichsten Regionen in Costa Rica. Reisen in diese Region sind vor allem in den Monaten September und Oktober nicht empfehlenswert.
Durch El Niño werden in dieser Region 40 Prozent weniger Niederschläge erwartet. Trotzdem ändert El Niño an unserer bisherigen Empfehlung wenig. Das heißt:
September und Oktober bleiben für die Osa-Halbinsel und den Corcovado-Nationalpark aus unserer Sicht keine idealen Reisemonate. 2026 können die Chancen auf trockene Phasen zwar besser sein. Wer Pech hat, erlebt trotzdem mehrere kräftige Regentage, nasse Wege und wetterabhängige Ausflüge.
Was ist mit der Trockenzeit Anfang 2027 an der Pazifikküste?
Von Dezember bis April fällt an der Pazifikküste ohnehin nur wenig Regen. Unsere grundsätzliche Empfehlung ändert sich deshalb nicht: Die Trockenzeit bleibt eine sehr gute Reisezeit.
Interessanter ist eine andere Frage: Wie heiß und trocken könnte es werden?
Besonders in Guanacaste sieht man gegen Ende der Trockenzeit deutlich, dass über Monate kaum Regen gefallen ist. Gräser färben sich gelb und braun, viele Bäume des Trockenwaldes verlieren ihre Blätter und die Landschaft wirkt zunehmend karg.
Sollte sich das derzeitige Trockenheitsmuster fortsetzen, könnte dieser Eindruck im März und April 2027 noch ausgeprägter sein. Auch höhere Temperaturen sind möglich.
Das ist allerdings noch keine konkrete Wettervorhersage für das Frühjahr 2027. Dafür ist es heute zu früh.
Gleiches gilt für die Regenzeit 2027: Ob El Niño dann noch für weniger Regen sorgt, lässt sich derzeit nicht seriös beantworten. Für Reisen im Sommer oder Herbst 2027 würden wir daher zunächst mit den normalen Wetterbedingungen planen.
Karibikküste: Was ändert El Niño?
An der Karibikküste funktioniert das Wetter anders. Eine so klare Regen- und Trockenzeit wie am Pazifik gibt es nicht. Regenschauer sind das ganze Jahr über möglich. Aber auch hier gibt es eher trockenere und regenreichere Monate.
An der südlichen Karibikküste rund um Cahuita und Puerto Viejo gehören September und Oktober zum Beispiel normalerweise zu den Monaten mit weniger Regen.
2026 könnte diese Phase etwas anders ausfallen. Das IMN erwartet für August bis Oktober in der Karibikregion etwa 10 bis 15 Prozent mehr Niederschlag als üblich.
Für September und Oktober würden wir unsere Empfehlung deshalb etwas vorsichtiger formulieren als sonst. Die Monate bleiben für Cahuita und Puerto Viejo interessant. Man sollte 2026 aber nicht automatisch mit der sonst häufig recht trockenen Phase rechnen. Sonne und trockene Abschnitte können sich stärker mit Regenschauern abwechseln.
Für Tortuguero gilt ohnehin: Regen gehört dort ganzjährig zum Klima. Einen Vorteil durch das trockenere El-Niño-Wetter an der Pazifikseite gibt es hier nicht.
Der Dezember gehört an der Karibikküste normalerweise zu den regenreicheren Monaten und zählt auch unabhängig von El Niño nicht zu unseren bevorzugten Reisezeiten für diese Region.
Ab Januar beziehungsweise Mitte Januar wird die Karibikküste nach unseren Erfahrungen wieder interessanter. Februar und März gehören häufig zu den etwas trockeneren Monaten.
Für Anfang 2027 gibt es allerdings noch keine konkreten regionalen Prognosen. Deshalb sehen wir momentan keinen Grund, unsere normalen Empfehlungen für diesen Zeitraum zu verändern.
Unser Fazit: Muss ich meine Reise wegen El Niño ändern?
Unserer Einschätzung nach müssen Sie derzeit Ihre Reisepläne für Costa Rica wegen des Wetterphänomens El Niño nicht ändern.
Für eine Reise an die Pazifikküste während der Regenzeit 2026 kann El Niño sogar günstig sein. In Guanacaste und am Zentralpazifik steigt die Chance auf längere trockene Phasen. Am sehr regenreichen Südpazifik würden wir unsere Empfehlungen dagegen nicht grundsätzlich verändern.
Für die Trockenzeit Anfang 2027 bleibt die Pazifikküste weiterhin ein wunderbares Reiseziel. Worauf Sie sich nach derzeitigem Stand einstellen sollten: dass es noch ein klein wenig heißer ist als üblich. Die Guanacaste im Nordosten könnte gegen Ende der Trockenzeit zudem noch trockener und karger aussehen als gewohnt.
An der südlichen Karibikküste könnte die normalerweise günstige Phase im September und Oktober 2026 etwas regenreicher ausfallen. Für 2027 fehlen dagegen noch seriöse Prognosen.
Wie die weitere Entwicklung aussieht, lässt sich zurzeit noch nicht sagen. Wir behalten die El Niño Entwicklung aber weiterhin im Auge und aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.
Quellen
Prognose costa-ricanisches Wetterinstitut IMM
Austausch mit unseren Kooperationspartnern in Costa Rica über aktuelle Auswirkungen von El Niño aus Sicht von Einheimischen
Weitere Tipps für Ihre Costa Rica Reiseplanung
Costa Rica Urlaub: Welche Kosten kommen auf mich zu?
Costa Rica: Mietwagen oder Gruppe? Welche Reiseart passt am besten für Sie?
Die beste Reisezeit für Costa Rica: Nicht nur eine Frage des Wetters
Costa Rica – Sicherheit & Kriminalität: Ist eine Costa Rica Reise gefährlich?







